Auch dieses Jahr findet wieder das Hockenheimer Waldfestival statt.
Am 27./28. August werden an zwei Tagen sieben Bands "fer umme" den Wald erschallen lassen.
Damit das auch wieder alles so gut funktioniert, werden noch Helfer gesucht!
Infos unter 0 62 05 / 1 63 77 (Thomas Dräger).
Wer sich ein Bild von dem Kult des Festivals machen will, sollte einen Blick in "Das Tagebuch des Waldfestivals" riskieren...
Donnertag
18 Uhr Zeltaufbau
Wegen des eher schlechten Wetters muß ein Zusatzzelt aufgebaut werden. Erster
Schweiß fürs Festival.
20 Uhr Helfereinteilung
Da waren wir auch schon mal mehr Leute. Erste pessimistisch Stimmen vermuten
den Helfer-Gau. Die erwartete Jungendfraktion verabschiedet sich nach
Baden-Baden, hoffentlich habt ihr da die Bühne gesehen.
Freitag
7 Uhr (früh!)
Aufstehen, fertigmachen, alte Klamotten raus suchen - werden eh am Abend
pottdreckig sein.
8 Uhr
Die ersten verschlafenen Gestalten treffen sich am Alten Fahrerlager. Wer macht
was? Wann kommt die P.A.? Schaffen wir den Aufbau bevor die erste Gruppe
spielen will? Lauter Fragen und sooooo viel Arbeit. Rein in den LKW Bauzaun
holen (schwere Betonfüße schleppen); Seitenplanen am Fahrerlager anbringen
(weiß wer wie das geht?); Bänke aus dem Verkaufsraum räumen (das nimmt kein
Ende); Chilli kochen, vorher Berge von Paprika und Zwiebeln schneiden (hat wer
an die Messer gedacht?); wie gehn die Schlösser am Tor auf?; wo sollen die
Stromkästen hin? - nur ein kleiner Auszug aus einer fast endlosen Liste.
12 Uhr
Mittagessen = Brötchen und Wurst, auch die Dame hinter der Theke fährt nach
Baden-Baden.
Die P.A. ist da. LKW entladen und Bühne aufbauen. Das Chilli nimmt langsam
Gestalt an. Wer weiß wie das Zelt hinter der Bühne aufgebaut wird? - Keiner.
17 Uhr
Chilli kocht, Bühne steht, Musiker kommen. Aber kein Schlagzeug, das steht noch
in Schifferstadt.
Wie geht das Licht im Klo an? Telefonieren, nach Lösungen suchen, nebenbei auf
das Schlagzeug warten. Die ersten Besucher kommen, natürlich mit Bierdosen.
Freundliche Hinweise über den Zusammenhang zwischen kostenlosem Eintritt und
der Finanzierung über Getränke und Essen werden meist freundlich
entgegengenommen.
18.30 Uhr
Schlagzeug da. Mittlerweile sind ca. 50 Leute da. Der Rest wird wohl in
Baden-Baden sein. Neben der Angst vor den finanziellen Aus mangels Umsatz erste
Freude über die tollen Steaks. Dann fangen die Protozoans zu spielen an.
20 Uhr
Allying Cry wartet darauf auf die Bühne zu kommen. Noch immer kaum Zuschauer
aber die Helfereinteilung funktioniert, alle Stände sind besetzt.
21 Uhr
Verzögerungen im Kuhlenkampf-Ausmaß aber die Hütte füllt sich. Erstes Aufatmen.
Trotz des knappen Raumes hinter der Bühne klappt das Ab- und Aufbauen der
Instrumente ganz gut, letztendlich fehlt nach zwei Tagen ein Gitarrenständer.
23 Uhr
Es wird empfindlich kalt. Hoffentlich frieren die in Baden-Baden auch. Die zehn
Leute von Sonic Circus kommen. Mittlerweile ist das Versorgen der Musiker mit
Getränken und die Vergabe der Essenbons schon Routine und alle sind mehr oder
weniger zufrieden.
1 Uhr
Die Menge tanzt.
3 Uhr
Die letzte Gruppe hat die Bühne verlassen. Einige desorientierte
Festivalbesucher belagern noch immer besonders den Bierwagen.
Unerfreulicherweise mußte der Krankenwagen kommen. Es muß wohl immer ein paar
Idioten geben, die sich stark machen müssen. Ansonsten bleibt ein positives
Gefühl über den Gelungenen Wechsel einer Samstag-Sonntag-Veranstaltung, wie es
das Waldfestival 20 Jahre lang war, zum Freitag, der von den Besucher gut
angenommen wurde.
5 Uhr ich sehe mein Bett und denke mitleidig an die Nachtwache
6.30 Uhr
Kai von der Nachtwache lernt, wie man bei einem Ramsch ganz schnell unglaublich
viel Minuspunkte machen kann. Mittlerweile ist schon viel Dreck weggemacht und
aufgeräumt worden. Tolle Mitarbeit von allen Helfern.
Der Samstag
12 Uhr
Gut ausgeruht blicke ich in die nicht gut ausgeruhten Augen der Nachtwächler.
Das Ate Fahrerlager sieht wie frisch geleckt aus. Einige Kaffees wechseln auf
die andere Thekenseite. Der Getränkehändler macht das Kühlhaus wieder voll.
13 Uhr
Die erste Gruppe kommt. Das es erst ab 17 Uhr richtig losgeht gibts kein Essen
und keine P.A. für Lord Chesterfield. Die haben aber ein Schlagzeug dabei.
16 Uhr
Die Zeit ging schnell rum. Auch die Helfer für die erste Schicht sind fast
komplett, somit geht der Verkauf schon etwas früher los.
18 Uhr
Das Schlagzeug ist zwar da, aber heute fehlt der Schlagzeuger. Gerade
rechtzeitig erblickt der Verschlafenen das Bühnenlicht und der zweite
Festivaltag beginnt ziemlich planmäßig. Wieder sin nur wenig Leute zur ersten
Gruppe gekommen, eigentlich schade, sind doch dieses Jahr die Opener richtig
gut gewesen (wir hatten da schon andere Qualitäten auf der Bühne).
19 Uhr
Die Silent Faces kommen und machen ihrem Namen alle Ehre. Beim 4 Auftritt in
zwei Tagen und ca. 1000 Kilometer Fahrt dazwischen sehen die vier aus wie die
Nachtwache bei der Ablösung. Beim wirklich tollen Auftritt später merkt davon
keiner etwas. Nur kurz später kommen auch die ersten Musiker von Knutschleck,
stielgerecht mit Halstuch, und es wird richtig eng hinter der Bühne.
21 Uhr
Der Zeitplan ist wieder Makulatur. Vor der Bühne ist es richtig voll, was die
Macher des Festes zu zartem Optimismus verleitet.
23 Uhr
Wer hat den Schlüssel fürs Wechselgeld? Alle haben gut zu tun, der Umsatz läuft
gut an, vor allem ist die Stimmung im Publikum und bei den vielen Helfern und
Freundes des Waldfestivals richtig gut. Dann kommen Knutschfleck auf die Bühne
und die Feier kommt so richtig in Fahrt. Viel kann jetzt nicht mehr
schiefgehen, nur der Abbau des Festes hängt nun wie das Schwert des Damokles
über den Häuptern der Helfer.
24 Uhr
Das lichtscheue Gesindel von Lightshy erweist sich als sehr symatische Truppe
und möcht auch trotz des Bandnamens nicht auf Bühnenbeleuchtung verzichten. Die
Silent Faces haben auch noch ihren Spaß auf dem Festival, das Publikum tanzt
und lacht, die Helfer auch, alles ist gut, was ist eigentlich in Baden-Baden?
1 Uhr
Das eingeheizte Publikum nimmt den Wechsel von Party-Musik zum Latin ohne
Probleme und tantzt gutgelaunt weiter.
2 Uhr
Es ist wieder bitter kalt, wer hat eigentlich behauptet, im August wäre
Hochsommer? Lightshy spielt immer noch und die gute Laune auf der Bühne ist
ansteckend. Natürlich gehen langsam viele nach Hause, aber alle tun das im
Rhythmus der Musik.
3 Uhr
Die Live-Musik ist aus, jetzt fängt die Arbeit an: Aufräumen, aufräumen,
aufräumen.
6 Uhr
Bett.
Sonntag
10.30 Uhr
Es ist ein Wunder, wie munter manche nach knapp 3 Tagen fast ohne Schlaf noch
sein können. Rechtzeitig zum Formel-1 Lauf ist die Arbeit geschafft. Tausend
Dank an alle die geholfen haben.
Waldfestval '98 das waren ein paar blöde Sachen, tausend schöne Sachen, viel
Musik, viel Arbeit auch im Vorfeld, ein Berg schmutziger Klamotten. Nur die
Frage nach den Finanzen ist noch spannend.
Montag
Um ca. 10 Uhr kommt der erlösende Anruf des Kassenchefs, nach einem groben
Kassensturz sieht er keinen Verlust in der Kasse des I.K. Hockenheimer
Waldfestivals e.V., und daß nach einigen Zweifeln und einigen Zweiflern und
einigen Neuerungen. Was bleibt ist ein leichtes Ziehen in den immer noch müden
Beinen und jede Menge Respekt für alle, die das Festival all die Jahre am Leben
erhalten haben....
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