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AUSGABE: Juni 2000

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Rubrik: STUFF

GEDANKEN: FRÜHLINGSGEFÜHLE

Nach einem langen, grauen Winter kommt für mich plötzlich eine grosse Überraschung...


Frühligsgefühle

Nach einem langen, grauen Winter kommt für mich plötzlich eine grosse Überraschung: im Garten entdecke ich Knospen am Fliederbaum und da stecken die Schneeglöckchen ihre Köpfchen durch die kalte Erde; der Frühling naht.

Jedes Jahr ist dies für mich verbunden mit einem Glücksgefühl mit Dankbarkeit. Welcher Genuss, die langen Abende werden kürzer, die Kinder können wieder draussen spielen, ein neues Leben beginnt.

Viele Künstler wurden und werden durch Frühlingsgedanken inspiriert, denken wir nur an Beethovens herrliche Frühlingssonate (für Geige und Klavier) und Sindings Frühlingsrauschen (für Klavier).

Vorallem haben aber Dichter den Frühling besungen, Heine schrieb unter der Rubrik Neuer Frühling die schönsten Gedichte, Schillers Gedichte an den Frühling habe ich erst jetzt wieder gelesen.

Grossen Eindruck macht auf mich seine Beschreibung des Frühlingserwachen in einem Gedicht Die Klage der Ceres, deren Tochter Proserpina durch Hades geraubt in der Unterwelt verbannt lebt...

Das Gedicht beginnt

Ist der holde Lenz erschienen
Hat die Erde sich verjüngt
Die besonnten Hügel grünen
und des Eises Rinde springt.

Bewunderer von Heinrich Heine kennen wohl sein Spottgedicht über die Klage der Ceres.

Meine Schwiegermutter Ceres
Lass die Klagen, lass die Bitten
Dein Verlangen, ich gewähr es
Habe selbst so viel gelitten.

Der Frühling kann aber auch andere Gefühle erwecken: Eine ganze Reihe von tüchtigen Hausfrauen ergreift bei dem ersten Sonnenstrahl die unbezwingbare Lust, den Osterputz zu beginnen. Das Grossreinemachen ist sogar ansteckend, denn sobald in einem Haus bei weit geöffnetem Fenster die Vorhänge zum Waschen abgenommen werden, muss auch die Nachbarin den Grossputz beginnen.

Die jüngere Generation hat diese Putzwut meistens abgeschafft und geniesst umso mehr das Frühlingserwachen; vielleicht auf dem Tennisplatz oder im Garten.

Eine Frage an die Leser: Wer kennt den Autor des Gedichtes, das ich in meiner Schulzeit gelernt habe und das beginnt mit:

Die ersten Veilchen waren schon erblüht im grünen Tal.
Ein Bettelpack stellt seinen Thron ins Feld zum ersten Mal.
Dar Alte auf dem Rücken lag; das Weib das wusch am See.
Beschmutzt und unrein schmolz im Hag das letzte Heuflein Schnee...



Autor: 85 jährige Dame
Erstellt am: 2000-06-02



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