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AUSGABE: März 2000

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Rubrik: JAM

LESERBRIEF: PROTEST (AUSGABE 02-2000)

Meine Stellungnahme zur politischen Situation in Oesterreich ist teilweise beeinflusst durch meine Vergangenheit: Ich sah mit Unglauben, dass die national-sozialistische Partei unter Hitler an die Macht kam und habe mit meiner Familie die Folgen davon in verschiedenen Konzentrationslagern getragen. Wir haben die Lager ueberlebt, aber...


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Meine Stellungnahme zur politischen Situation in Oesterreich ist teilweise beeinflusst durch meine Vergangenheit: Ich sah mit Unglauben, dass die national-sozialistische Partei unter Hitler an die Macht kam und habe mit meiner Familie die Folgen davon in verschiedenen Konzentrationslagern getragen. Wir haben die Lager ueberlebt, aber ich bin alert, wo sich eine neonazistische Bewegung entwickelt.

In Oesterreich aeusserte sich der Unfrieden ueber 30 Jahre Politik mit grenzenlosem Nepotismus durch das bekannte Wahlergebnis. Dass es moeglich war, dass eine rechtsorientierte Partei bereit war, eine Koalition mit der neonazistischen, rassistischen Partei von Haider einzugehen, beunruhigt mich ausserordentlich. In einigen Laendern Europas bestehen ultrarechtsorientierte Parteien, aber bis jetzt hat sich jede andere Partei geweigert, eine Koalition mit der ultrarechten Partei einzugehen. Ich fuerchte, dass Oesterreichs Beispiel in anderen Laendern Schule machen kann und auf die Dauer mehr Laender von rassistischen Regierungen geleitet werden. Diesem aber muss ein Halt zugerufen werden. Dafuer dienen Demonstrationen, um den Parteien zu zeigen, dass durch ein zweites Hitlerregime die Welt dem Abgrund entgegengeht.

85 jährige Überlebende des Holocaust. Zeitzeugenbericht mit freundlicher Unterstützung des Seniorenbüros der Stadt Speyer


NACHTRAG:

Letzte Woche fand in Wien der berühmte Opernball statt, ein Ereignis, dass man (wer in der Politik und auch in der High Society mitzählen will) mitmachen muss. Allerdings hat der Ehrengast, der Ministerpräsident Spaniens abgesagt, wie auch Claudia Cardinale und noch mehr Grössen der Welt.

Warum?

Keine Frage! Die uralte Regierung der FPO von Jörg Haider veranlasste sie, abzusagen. "Aber Haider ist doch abgetreten als Parteivorsitzender" sagen eventuell die Gutgläubigen.

Ich hoffe, dass jedoch niemand so naiv ist, zu glauben, dass sich die Politik der Partei, die noch in der Regierung ist, verändert.

Es dürfte doch genügsam bekannt sein, dass die Vertraute Haiders, Frau Susanne Riess-Passer jetzt die Parteivorsitzende ist und sie wird seinen Directiven folgen.

Warum hat Haider aber die Rolle des Vorsitzenden aufgegeben?

Doch nicht wegen der enormen eindruckweckenden Demonstrationen oder wegen der Haltung der E.U. Staaten?

Herr Schüssel mag dann sagen, dass Herr Haiders Gründe sind: 1. sein Wunsch, um genug Zeit zu haben für seine Präsidentenschaft in Kärnten und 2. die österreichische Regierung stabilisieren zu lassen.

Ich denke, dass Herr Haider viel klüger ist: via Frau Riess-Passer hält er die Zügel in der Hand. Sie wird genau dem Rat oder dem "Befehl" ihres "Meisters" folgen und er kann sich ohne direkte Verantwortlichkeit für die Regierung ruhig auf sein grosses Ziel, Bundeskanzler zu werden, vorbereiten.

Hoffentlich denkt nun niemand, die grosse Gefahr ist vorbei und bleibt mit mir pessimistisch und alert auf die weiteren Entwicklungen. Wir haben Grund genug, um dies zu sein...


85 jährige Überlebende des Holocaust. Zeitzeugenbericht mit freundlicher Unterstützung des Seniorenbüros der Stadt Speyer



Autor: Zeitzeuge
Erstellt am: 2000-02-23



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