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AUSGABE: November 2001

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Rubrik: STUFF

KURZGESCHICHTE: Mysteriöses Treffen

Eine wahre Geschichte von einem ungewollten Treffen mit überaschendem Ausgang


Es ist eine halbe Stunde nach 20 Uhr. Sommer in der Großstadt. Ich sitze hier und beobachte die Leute, die auf dem großen Platz hin und her laufen. Paare schlendern vorbei, Machos machen die Mädels an. Auf der Bank sitzt ein Penner, neben ihm sein Bier. Ein paar Jugendliche schlappen vorbei, machen Quatsch...

Ich warte auf meinen Freund, - nein -, eigentlich ist es nicht mein Freund, zumindest damals noch nicht. Ich treffe mich mit ihm, da ich einem Kumpel von mir versprochen habe, etwas mit diesem Menschen zu bereden. Etwas Wichtiges.

Ich beschließe, wieder zu gehen, denke, er kommt sowieso nicht. Ich ärgere mich über mich, da ich meine Zeit besser nutzen kann, als hier rumzusitzen. Da kommt der Kerl angeflitzt. Er ist total aus der Puste, erklärt mir, er habe keinen Parkplatz gefunden. Typisch C. B.

Ich freue mich, dass er doch gekommen ist. Irgendwie merke ich, dass er mir etwas zu bedeuten scheint, als er da so vor mir steht und grinst. Ich frage mich, warum. Ich kenne ihn doch nur sehr wenig. Obwohl, eine krasse Erfahrung habe ich mit ihm gemacht, habe mal erlebt, wie dieser Mensch total am Ende war.

Na ja, auf jeden Fall liegt mir etwas an ihm, das wird mir gerade bewusst.

Wir gehen in eine Kneipe und fangen an, zu erzählen. Schnell finden wir einen Draht zu einander, erzählen und erzählen. Die Atmosphäre ist so, als würden wir uns schon Jahre kennen. Dann passiert etwas merkwürdiges:

Ich sehe den Jungen plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive, merke, dass es eine Verbindung gibt, die ich mir nicht erklären kann. Bei meinen engsten Freunden kenne ich das. Ich kann ?in sie hineinsehen? und wir bewegen uns auf einer Ebene, die über dem liegt, was man normaler Weise kennt.

Der Junge sitzt da, die Hände mit den Ballen gegen die Augen gepresst. Er erzählt mir extreme Dinge aus seinem Leben. Echt krasse Sachen. Seine Stimme wechselt zwischen Schluchzen und Lachen, leise und laut. Dann verschwindet er fast unter dem Tisch. Scheinbar will er der Welt entkommen, mit allen Problemen...

Es entsteht der paradoxeste Dialog, den ich je geführt habe. Mich reißt diese Situation mit, wir sind wie in Trance.

Erst sehr spät normalisiert sich die Situation wieder. Mir wird klar, dass ich den Jungen binnen vielleicht 90 Minuten extrem kennen gelernt habe. 90 Minuten, die mir vorkamen, wie Jahre...

Irgendwie war es ein Dialog zwischen Geist und Geist. Das mir entgegen gebrachte Vertrauen war so groß, wie ich es noch niemals erlebt hatte, zumindest bei einem Menschen, den ich vorher kaum gekannt hatte...


Nun ist bereits einige Zeit vergangen; mehrere Jahre vielleicht. Ich habe den Jungen danach nur noch sehr selten gesehen, vielleicht drei-vier mal; - leider! Jedoch passierte es in der Zwischenzeit immer wieder, dass er mich im Geiste besucht hat. Kleine Dinge führten meine Gedanken immer wieder zu ihm. Ich sehe ihn in den unterschiedlichsten Situationen. Das geht soweit, dass ich Dejavus mit ihm habe.

Irgendwie gibt mir das zu denken, zumal diese Situationen sehr real sind, oft auch beängstigend, da sie mit sehr belastenden Problemen zu tun haben. Andererseits empfinde ich diese Zustände jedoch auch vertraut und sehr angenehm.

Als ich den Jungen kürzlich mal wieder sah und wir uns unterhalten haben, fühlte ich, dass auch er mich nicht vergessen hat und die Vertrautheit zwischen uns immer noch so stark ist, wie an jenem Tage. Leider habe ich mich nicht getraut, ihm zu erzählen, was ich regelmäßig mit ihm erlebe...

Spilo.


Autor: spilo
Erstellt am: 2001-10-26



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