JAM: April 2000  
















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REPORTAGE: ROMY SCHNEIDER - DER INBEGRIFF DER TRÄUME !? nadja: 2000-04-08

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An dieser Stelle sollte eine Reportage über das Leben einer der größten deutschsprachigen Schauspielerinnen unter dem Aspekt Träume stehen. Da mich persönlich eine Menge mit Romy Schneider verbindet, war es mir etwas zu einfach nur Teile ihrer Biographie wiederzugeben. Deshalb habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welche Träume mich und Millionen anderer Bewunderer mit dieser einzigartigen Persönlichkeit verbinden. Zu welchem Schluß ich gekommen bin, möchte ich ihr in einem persönlichen Brief mitteilen...


In my eyes - die Reportage

Romy Schneider - der Inbegriff deutscher Träume !?

An dieser Stelle sollte eine Reportage über das Leben einer der größten deutschsprachigen Schauspielerinnen unter dem Aspekt Träume stehen. Da mich persönlich eine Menge mit Romy Schneider verbindet, war es mir etwas zu einfach nur Teile ihrer Biographie wiederzugeben. Deshalb habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welche Träume mich und Millionen anderer Bewunderer mit dieser einzigartigen Persönlichkeit verbinden. Zu welchem Schluß ich gekommen bin, möchte ich ihr in einem persönlichen Brief mitteilen:

Romy - Romy Schneider, Weltstar, Mutter, Femme Fatale, Emanze, Schauspielerin - du warst alles in einer Person, der Inbegriff nicht nur deutscher Träume. Wer dich verachtete oder hasste, liebte dich gleichzeitig, denn du warst, was jeder von uns tief in seinem Inneren sein will. Berühmt, begehrt, sinnlich, erotisch, schön, reich und übermäßig talentiert - und doch zu deutsch, um das Leben so zu nehmen, wie man es nehmen sollte, wenn man es leicht nehmen will. In dir steckte die Spießbürgerlichkeit, wie in jedem von uns, wenn du von Kindern, Ehemann, Socken stricken und Plätzchen backen geträumt hast. Doch du warst soviel mehr, in deinen Träumen vom Leben, der Liebe und vom Freisein. Aus tiefsten Herzen, mit jeder Faser deines Körpers und deiner Seele warst du jedoch nur eines wirklich: Schauspielerin. Dein größtes Talent war es, die Menschen zu bewegen. Ja, du hast uns bewegt, ganz tief innen drin, so tief in uns, das wir diese Stelle vielleicht garnicht kennen. Uns Frauen hast du fasziniert mit deiner Lebenslust, deiner Unabhängigheit von Männern, deiner Stärke und einer Art von Emanzipation, die zu diesem Zeitpunkt noch sehr untypisch war. Du hast unsere weiblichen Träume verkörpert, du warst und bist bis heute unser Ideal. Gleichzeitig hast du auch die Männer berührt, mit deiner Sinnlichkeit, deiner Sensibilität und deiner anmutigen Erotik. Du hast ganze Nationen bewegt, mit deiner Offenheit, deinem Talent und deinen Filmen.

Ich bin mir sicher, dass dich hier in Deutschland nicht wirklich jemand gehasst hat. Hinter all diesem jämmerlichen Zeitungsgeschmiere über den abtrünnigen Filmstar stand doch nur der blanke Neid. Neid auf dein Leben und die Feigheit, zuzugeben, dass du bist, wie man selbst gerne wäre. Was denkst du, wie viele Frauen insgeheim sofort mit der getauscht hätten, wenn sie dein Leben in Paris, deine neue Freiheit und deine Liebschaften hätten haben können? Zugegeben hätte es keine, aber ich glaube davon geträumt haben fast alle. Es war nichts als verletzter Nationalstolz, was in den Zeitungen gedruckt wurde. Es ist aber auch schlimm, wenn der einzige große Star den ein Land hat, einfach so ins Ausland geht. Da bricht eine Welt zusammen. In Deutschland hat man einfach nicht kapiert, dass hier zu leben, nicht dein Traum war, und dass du in erster Linie der Mensch und erst in zweiter der Star warst.

Auch wenn du immer versucht hast, deine Träume zu leben, und das auch zum größten Teil getan hast, bin ich mir sicher, dass gerade das dich so zerstört hat. In deiner absoluten Art wolltest du alles, doch du warst nicht fähig, damit zu leben, zu gegensätzlich um dich mit entweder oder zu begnügen. Du konntest es nicht vereinbaren, das Mutter und Schauspielerin sein, das treu und frei sein, den Schwermut und die Lebenslust. Du bist zerbrochen, am Versuch, das unmöglich zu schaffen, mit Gewalt zu verbinden, was sich eigentlich abstößt. Sie hat all deine Kraft gefordert, die ständige Suche, nach dem vollkommenen Glück. Obwohl du immer alles gegeben hast, warst du nie vollkommen und heute, Jahre nach deinem Tod, wo es fast kein Geheimnis mehr über dich gibt, lieben wir dich vorallem wegen deiner Unvollkommenheit. Damals konntest du nicht verstanden werden, dazu warst du zu emanzipiert, aber du wurdest dafür bewundert. Trotzdem hat man dich angeprangert, um nicht selbst mit solchen Träumen in Verbindung gebracht zu werden.

Wie auch immer du wirklich warst, hundertprozentig warst du nur Schauspielerin. In deinen Filmen warst du am echtesten, am ehrlichsten. In deinen Rollen hast du mehr von dir preisgegeben, als in deinem Leben. Vielleicht waren deine Filme dein Leben und dein Leben? Nur ein schlechter Film. Jedenfalls hast du mit der Suche nach der Verwirklichung deiner Träume, die Träume von Millionen Menschen erweckt. Deutsche oder Franzosen, Männer oder Frauen, weltweit wurde von dir geträumt, als Mutter oder Schauspielerin, als Heilige oder Hure. Ob du gerade schwach warst oder stark, du hast in jedem etwas getroffen, ob man es zugegeben hat, oder nicht. Das hat dich zum Mythos gemacht. Diese Macht, alles zu sein, diese Unvollkommenheit, diese Ambivalenz zwischen all den Extremen, die in dir vereint waren.

Auch Sissi, die du so sehr gehasst hast, hat den Menschen viel gegeben, denn sie hat ihren Traum von einer heilen Welt für kurze Zeit realisiert. Sie hat die schwarze Nazi-Vergangenheit mit rosa Zuckerguß, wie einen verbrannten Kuchen überzogen. Mit Sissi hast du einer ganzen Nation ein Gefühl von Friede und Harmonie vermittelt, schade nur, dass genau diese Menschen nicht gemerkt haben, dass Leben nicht nur Glück, und dass Romy nicht nur Sissi ist.


Nadja


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