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REPORTAGE: DAS AUS FüR WEBRADIOS? spilo: 2004-12-31

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Die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) und die GEMA planen einen neuen Tarif und neue Nutzungsgebühren für Webradios einzuführen. Eine drastischen Erhöhungen wären das Aus für viele kleine, unabhängige Webradios.


Das Internet hat vieles verändert. So ist beispielsweise Radiomachen für "Jedermann" möglich geworden. Winamp und ein Streaming-Programm reichen, um viele Hörer zu erreichen. Dies führte in kurzer Zeit zur Gründung von vielen kleinen, unabhängigen Webradios.

Diese Sender leisten wirklich gute Arbeit. Programme für Senioren, Behinderte, aber auch für Themen wie die deutsch-russische Freundschaft gibt es im Internet zu finden. Spartenprogramme wie die HipHopShow von Radio Sloschnaja Kompanija begeistern Hörer mit all den Sachen, die das "Profi"-Mainstream-Radio nicht mehr sendet, weil tag-täglich die gleichen Hits rotieren (müssen).

Die meisten der privaten Internetradios möchten gerne freiwillig für ihr Hobby eine faire Abgabe an GEMA und GVL zahlen. Nach langen und zähen Verhandlungen wurde so zwischen GEMA, GVL und den im Radioring organisierten Sendern vor etwa zwei Jahren ein wirklich bezahlbarer Pauschalbetrag vereinbart. Die Welt schien in Ordung.

Dann kam die GEMA und verlangte mehr Gebühren, die GVL zog jetzt nach. Ab April 2005 plant die GVL einen neuen Tarif und neue Nutzungsbedingungen für Webradios einzuführen.

Diese neuen Tarife und Nutzungsbedingungen führen zu einer massiven Erhöhung der Kosten eines Webradios. Zahlte ein Sender bislang im Monat 26,75 € an Vergütung an die GVL so werden es ab April 2005 über 350 € pro Monat sein.

Für 90% der vorhandenen (schätzungsweise über 15.000) Webradios wird das das Ende ihrer Tätigkeit darstellen. Diese Projekte arbeiten werbefrei und ohne finanzielle Unterstützung und werden diese Kosten nicht tragen können.

Die hohen Kosten sind aber nicht das einzige Problem, hinzu kommen die deutlich verschärften Nutzungsbedingungen. So werden die Websender verpflichtet, das Aufzeichnen der Sendungen auf den PCs der Hörer zu verhindern.

Weitere Einschränkungen betreffen die Programmgestaltung und -ankündigung. Diese Einschränkungen machen es z.B. unmöglich, sog. "Specials" über eine bestimmte Band zu senden, da nicht mehr als 3 Titel von einem Album oder 4 Titel eines Künstlers oder einer Compilation von Musiktiteln innerhalb von 3 Stunden gesendet werden dürfen.

Die Planungen haben zur Folge, daß die kleinen Sender aufgeben müssen oder "kriminalisiert" werden, wenn sie ohne Lizenzierung weitersenden.

Fraglich ist jedoch, ob es nicht vor allem die kleinen Stationen sind, die "ihre Stars" an die Spitze bringen, wenn in den mühsam produzierte Sendungen interessante Hintergrundinfos, Konzertankündigungen oder heiße Plattentipps in die Szene gesendet werden.

Vielleicht geht es aber auch darum, dem "großen" Radio den Rücken frei zu halten. Viele haben bereits das alte Radio aus dem Wohnzimmern entfernt und den Computer als Ersatz aufgestellt.

Für uns stellt sich die Frage, ob wir uns es nun noch leisten können (und wollen), GEMA/ GVL-Lizensierte Musik zu senden.

Aber vielleicht bedeutet gerade dies auch eine Chance für alle Künstler, die diesen Organisationen GEMA oder GVL nicht angehören, denn der freiwerdende Sendeplatz steht dann 100% den freien Künstlern zur Verfügung. Wir werden sehen, wie die Hörer reagieren.

Es wird spannend.

Von "Jammin Inc" aus Braunschweig gibt es einen Protestlied zum Thema:
Musiker verlieren ihre Plattform

GVL-Protest


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