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REPORTAGE: GOTT HAT VIELE NAMEN |
heinz danner: 2003-06-20 |
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Am 15.6. fand im Judenbad in Speyer eine Veranstaltung statt, die alle großen Religionen umfassen sollte.
Ein Clubfreund hatte mir die Einladung geschickt. Auf blauem Papier (blau die Farbe der Sammlung, der Meditation) stand "Gemeinsam für den Frieden, Interreligiöse Lesung". "Liebe und Gerechtigkeit in den Schriften des Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam, Baha'i." Ich hatte nie etwas von diesem "Interreligiösen Friedenskreis" gehört.
Es waren etwa 70 Leute gekommen, jeden Alters. Ein makeloser blauer Himmel spannte sich über dem Versammlungsort aus, die Sommerhitze konnte ertragenw erden. Die Stühle waren auf ein Mikrofon auf einem Stativ und einen Lautsprecher ausgerichtet. Ein elektrisches Klavier mit einem jungen Mann dahinter, daneben eine jumnge Frau mit Flöte. Uralte unverputzte Mauern (zwölftes Jahrhundert) umgaben den etwa 20x50 Meter großen Platz auf drei Seiten. Eine Dame trat zum Mikrofon und begrüßte die geladenen Gäste. Sie wies auf den Anschlag in New York hin, der zur Gründung des "Friedenskreises" geführt habe. Toleranz und Verständigung sollen gepflegt werden.
Kurze Musikstücke und Lesungen über die Liebe zum Nächsten, poetisch, aus der Bibel, aus dem Koran, aus der Bagavadgita, aus den buddhistischen Schriften wechselten miteinander ab. Am Schluss verteilte ein junger Mann Fotokopien eines Indianerlieds. Eine Dame ging zum Mikrofon, erklärte es als Anrufung der Naturkräfte um Fruchtbarkeit mit den entsprechenden Gesten, wie Arme Hochwefen, wiegende Armbewegungen, dazu sang sie "Hey-ya-nana" immer und immer wieder und forderte die Teilnehmer auf mitzumachen. Etwas schüchtern zu Beginn, dann aber vom Rhythmus mitgezogen, sangen alle stehend "Hey-ya-nana", vielleicht in die Nähe eines archaischen Trancezustandes geratend.
Danach löste sich die Versammlung auf. Es bildeten sich Gruppen, Apfelsaft wurde in Pappbechern gereicht. Mein Clubfreund machte mich mit drei Damen bekannt, die in bunten leichten Blusen der Hitze trotzten. Sie kannten mich. Als Arzt hatte ich vor vielen Jahren eine ihrer Schülerinnen behandelt. Das Mädchen hatte eine besondere Form von Lymphdrüsenkrebs. Ich konnte die Eltern des Mädchen nicht erreichen. Deshalb habe ich in meiner Not die Lehrerin des Kindes angerufen. Ich konnte mich aber nicht mehr daran erinnern. Die Damen, mit denen ich sprach, waren Schwestern von St. Dominikus. Übrigens erzählte mir mein Sitznachbar von vorhin, dass er Jude sei. Er hatte mit abgehaktem Sprachduktus Psalmen vorgelesen. Ich fragte ihn, ob er aus Polen stamme, er war Russe. "Deutsche Sprach schwere Sprach!" Von Beruf Landwirt ist er jetzt Hausmeister. Nachdenklich verließ ich die Versammlung, suchte meinen Parkplatz auf und fuhr nach Hause.
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