JAM: Februar 2004  
















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REPORTAGE: LET ME ENTERTAIN YOU! lookout: 2004-06-20

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Preluders! Wir lieben euch! Overground! Ihr seid so geil! Alexander! Du bist so sexy! Macht weiter so! - Na, womit denn?


Mit ewigem Playback singen, mit weiterem Fitnesstraining, Schönheitsbehandlungen, um noch schleimiger und unnatürlicher auszusehen?

Aber kein Grund zur Besorgnis. In spätestens einem Jahr wissen auch selbst die 10- bis 16jährigen kreischenden Mädels nicht mehr, wer Jessica, Sandy und wie sie alle heißen waren und vor allem, was sie "gesungen" haben.

Die ältere Fraktion hat jetzt schon Mitleid mit den gecasteten "Popstars", die in Girl, Mädchen, Bravo und Sugar topgestylt mit gefakten Zähnen ein Kunstlächeln in die Kamera zaubern und unter Titeln wie "Momentan sind die Fans das Wichtigste für uns" über ihre Lieblingsfarbe, ihren Lieblingsshop und ihre Lieblingsschokolade ausgefragt werden. Und ganz wichtig – wie denn das Leben als Star aussieht und was sie mit "ihren" Songs für eine message rüberbringen wollen. Am Ende eines jeden Berichts darf letztendlich auch nicht das "Wie ihr seht, sind die Mädels von Preluders auf dem Boden geblieben und wissen, was sie wollen." fehlen. Natürlich.



Und die Jungs von Overground (die ja nun absolut unschön sind) sind natürlich zur Beruhigung von allen Zahnspangen tragenden, Orsay und Pimkie-Klamotten tragenden Fans Singles, deren Traumfrau vor allem treu und ehrlich sein sollte. Ganz sicher.



Passend zum Castingshowtrend und dem Superstarboom haben Annelu Küsters und Birgit Wagner ein Buch geschrieben, das unter dem Titel "Wenn die Liebe groovt" vom Ueberreuter Verlag herausgebracht wurde und ein Blick hinter die Kulissen der Pop-Scheinwelt wirft. (142 Seiten, Januar 2004, 12,95€)

"Mein Blick fiel auf die Wand gegenüber und blieb an einem Poster hängen. Das hätte ich ja fast vergessen! Der Star-Schnitt einer Teenie-Illustrierten, so wie es Tausende gab: drei Mädels im Vordergrund, zwei Jungs weiter hinten an den Instrumenten. Nicht ungewöhnlich eigentlich – wenn die Angebildeten nicht wir selbst gewesen wären!

Links Larena, die "Prinzessin aus Ruanda", die cool in die Kamera schaute, in der Mitte Fiameta, blond und schön, und daneben, einen Kopf kleiner als die beiden: ich, Sandra, Miss Nachdenklich. Im Hintergrund Tom, in seinen schwarzen Ledermantel gehüllt, die Hände auf den Tasten des Keyboards, und an den Congas Bruk, der blonde Rastamän mit seinem Bin-ich-nicht-unwiderstehlich-Lächeln."




Wie alles anfing...Sandra und Fia sind schon ewig beste Freundinnen und lieben es, gemeinsam Musik zu machen, Songs selber zu schreiben und mit der Stimme zu experimentieren, bis sie auf einer Schulparty ihr Talent unter Beweis stellen konnten. Auch Larena, die schwarze Schönheit, zeigt ihr Können als "Rap Queen" unter tosendem Applaus. Tom und Bruk, zwei begeisterte Reggae-Musiker, werden auf die drei aufmerksam und holen sie nach einiger Überredungskunst zu sich in die Band, wo es auch noch Socke, Ossi und Sven gibt.

Hier fängt nun auch die Liebe zu grooven an, denn Bruk verliebt sich in Larena, die aber Fias Bruder anhimmelt und Fia selbst schwärmt unglücklich für Bruk. Sandra und Tom kommen sich schließlich auch noch näher, doch die Musik und die Band – "On the way" – stehen schließlich im Vordergrund. Denn neben einer Coverversion von "No Woman No Cry", Rap Songs von Larena, Herz-Schmerz Balladen von Fia kommt auch noch Reggae nach Bob Marley und Peter Tosh ins Repertoire und nach einigen Auftritten zeigt sich, wie gut sie sind.

Schließlich werden die 8 auf einen Wettbewerb eines Eisherstellers aufmerksam, der für seine neue Kreation und einen Spot eine Band sucht, die Urlaubsfeeling verbreiten und für Stimmung sorgen soll. Warum also nicht Reggae? Und ab geht das Demotape mit "Sunny Island". Und siehe da – nach einigen Vorentscheidungen stehen sie im Finale in Berlin und werden die neuen Postars von Creamers. Ein Traum geht in Erfüllung.

Doch der Weg nach oben bringt einige Probleme und Tücken mit sich. Alles kommt Schlag auf Schlag: Exklusivvertrag, Fitnesstraining, Vitaminpowerdiät, Dreh am türkischen Strand, Interviews, Fernsehauftritte und "On the Way" wird zum Chartstürmer.

Doch nachdem Ossi, Socke und Sven die Band verlassen müssen und die restlichen 5 keine ihrer eigenen Songs aufnehmen dürfen, merken sie bald, wie anstrengend und enttäuschend ein Leben als Popstar sein kann. Das ewige Playbacksingen von "Sunny Island" mit der dazu gehörenden Promotion-Tour und dazu noch von der Produktionsfirma vorgesetzte Coverversionen für ein Album , die überhaupt nicht ihrem Stil entsprechen, lassen das Leben der Band zum Albtraum werden.

Als Tom und Bruk schließlich auch noch aus der Band austreten sollen, weil sie nicht das "richtige Profil haben", lässt das Management den Vertrag platzen. Unglücklich sind die 5 darüber nicht, denn erst jetzt merken sie, was wirklich wichtig ist: Seine Träume zu verwirklichen und sich selbst treu zu bleiben.

Das richtige Glück lässt nicht lange auf sich warten: Fia bekommt einen Vertrag bei einer bekannten Pariser Modelagentur, Larena siedelt zu dem schwarzen Hip-Hop Produzenten Ray Clark über und Sandra möchte mit Tom nach München ziehen, wo sie auf ein musisches Gymnasium wechseln und Tom Tontechniker werden kann.

War es auch nicht bei den No Angels so, die im Moment ihres größten Erfolges sich getrennt haben, jetzt ihre eigenen Wege gehen und damit auch glücklich sind? Lucy zum Beispiel, die eine Hauptrolle in einem Musical hat und somit ihren Traum abseits von TV-Shows, Popgedudel mit den ewig gleichen Songtexten und Fotoshootings verwirklichen konnte oder Jessica, die ihr Dasein als Mutter liebt, abgeschieden von der oft gnadenlosen Öffentlichkeit und dem psychischem Druck. Ende gut, alles gut.

Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de


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