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MUSIKTIPP: MäRZLIEDER |
spilo: 2004-03-27 |
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XXL-Version
Passend zum Monat ist mir mal wieder etwas unter die Finger gekommen: Eine Schallplatte mit den "Märzliedern" von Wolf Biermann.
Biermann? Viele ältere Menschen kennen ihn als "komischen Kautz", der diese kommunistischen Lieder singt und eigentlich garnicht singen kann. Damals als "Spinner" in die DDR freiwillig eingebürgert, später hochkant wieder rausgeflogen.
Bei den jungen Leuten ist die Musik, die Biermann spielt, sowieso out: zu wenig Bass, zu langsamer Beat.
Doch mache Lieder des Liedermachers sind garnicht so schlecht. Die Texte sind bissig und selbstkritisch. Biermann läßt zu seiner aktiven Zeit kein Haar an der Gesellschaft.
Das hier vorgestellte Märzlied (eines von drei) ist da eher ruhigeres und sehr nachdenkliches Stück, in dem auch Biermanns Frau Tine mitsummt.
Auf der Plattenhülle stehen Fragmente von Notizen zu dem Titel, die auf ein sehr persönliches Erlebnis deuten.

Der Schnee (MP3)
Wolf Biermann
* 15.11.1936
Wolf Biermann, eigentlich Karl-Wolf Biermann, wurde am 15. November 1936 in Hamburg geboren. Der Vater, der auf einer Hamburger Werft arbeitete, war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933, im kommunistischen Widerstand engagiert und wurde 1943 im KZ Auschwitz ermordet.
Nach dem II. Weltkrieg trat Wolf Biermann den "Jungen Pionieren" bei und war 1950 Leiter einer Pionierbrigade beim Weltjugendtreffen in Ostberlin. Als eines der wenigen Arbeiterkinder besuchte er bis 1953 das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Hamburg.
1953 siedelt Wolf Biermann in die DDR über, hier besucht er ein Internat bei Schwerin. 1955 beginnt Wolf Biermann ein Studium der politischen Ökonomie an der Humboldt-Universität Berlin. Nach dem Abbruch des Studiums 1957 wird Biermann Regieassistent am Berliner Ensemble.
Von 1959 studiert Biermann Philosophie und Mathematik an der Humboldt-Universität in Berlin. Im darauffolgendem Jahr macht Biermann die Bekanntschaft mit Hanns Eisler, der ihn unterstützt und fördert. Biermann beginnt in dieser Zeit Gedichte zu schreiben und Lieder zu komponieren.
Biermann war 1961 maßgeblich an der Gründung und dem Aufbau des "Berliner Arbeiter- und Studententheaters" (b.a.t.) in einem alten Hinterhofkino beteiligt. Biermanns Inszenierung des Stückes "Berliner Brautgang" über den Mauerbau wird nicht zur Aufführung freigegeben und bereits vor der Premiere 1963 wird das Theater wieder geschlossen und ein erstes Auftrittsverbot für Biermann dauerte bis Juni 1963.
1962 werden in DDR-Zeitungen und in der Anthologie "Liebesgedichte" und 1964 "Sonnenpferde und Astronauten" gedruckt. Bei einem Lyrikabend in der Deutschen Akademie der Künste 1962 tritt Biermann erstmals öffentlich auf.
Nach einer zweijährigen Zeit als Kandidat wird Wolf Biermann 1963 die Aufnahme in die SED verweigert. Ebenfalls in diesem Jahr macht Wolf Biermann die Bekanntschaft mit Robert Havemann, mit dem ihn seitdem eine Freundschaft verbindet.
1964 war Wolf Biermann Gaststar des Ostberliner Kabaretts "Die Distel" und auf Einladung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) unternahm er seine erste Gastspielreise durch die Bundesrepublik Deutschland. In Westberlin trat Biermann gemeinsam mit Wolfgang Neuss in dessen "Asyl" auf.
Nachdem 1965 in einem West-Berliner Verlag seine Lyriksammlung "Die Drahtharfe" erscheint, erhält Biermann Auftritts-, Publikations- und Ausreiseverbot durch die DDR-Behörden. Damit war ein vorläufiger Schlussstrich unter eine Kampagne gesetzt, die schon vor dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 ihren Anfang genommen hatte. Man warf Biermann unter anderem "Klassenverrat" und "Obszönität" vor.
In der Bundesrepublik erscheint 1969 die erste eigene Langspielplatte Biermanns "Chausseestraße 131". Das dafür verliehene Preisgeld des Fontane-Preises der Stadt West-Berlin spendet Biermann dem Anwalt der Außerparlamentarischen Opposition (APO), Horst Mahler.
Im September 1976 trat Wolf Biermann in der evangelischen Kirchengemeinde in Prenzlau, erstmals nach seinem elfjährigen Berufsverbot, wieder in der DDR auf. Im November 1976 erhielt Biermann ein Visum für eine Tournee durch die Bundesrepublik, die am 13. November in Köln begann. Am 16. November beschloss das Politbüro der DDR die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR.
Am 17. November berichtete die Ostberliner Nachrichtenagentur ADN, dass die zuständigen Behörden Biermann das Recht auf einen weiteren Aufenthalt in der DDR entzogen hätten. In der Begründung hieß es, unter Hinweis auf Biermanns Auftritt in Köln, er hätte in einem kapitalistischen Land ein Programm gestaltet, das sich ganz bewusst und gezielt gegen die DDR und gegen den Sozialismus gerichtet habe. In einer Petition von dreizehn führenden Intellektuellen der DDR am 17. November wird gegen die Ausbürgerung protestiert. Biermanns Ausbürgerung löste eine Emigrationswelle von Schriftstellern und Künstlern aus der DDR aus, einige, unter ihnen auch der später freigekaufte Autor Jürgen Fuchs, wurden inhaftiert.
Im März 1977 kamen auch Biermanns Frau und sein Sohn Benjamin in die Bundesrepublik. Im Westen setzte Biermann seine Künstlerkarriere fort und unternimmt noch im selben Jahr erste Tourneen durch westeuropäische Länder. In seinen Liedern rechnet er einerseits mit der DDR ab und bekundet andererseits immer wieder seine sozialistische Einstellung.
1980 wird Biermann der Deutsche Kleinkunstpreis für Chanson verliehen und 1982 besucht Biermann seinen todkranken Freund Robert Havemann in Ost-Berlin.
Nach dem Fall der Berliner Mauer in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989, reist Biermann auf Einladung von DDR-Liedermachern Anfang Dezember in die DDR, mehrmalige Versuche im November waren noch gescheitert, da er auf die Begleitung des Autors Jürgen Fuchs und des abgeschobenen Friedenskämpfers Roland Jahn bestanden hatte. Im Dezember hält Biermann nach 25 Jahren sein erstes Konzert in der Noch-DDR in Leipzig und Berlin ab. Er wird "als Mensch gewordener Mythos" und als Legende bezeichnet und als solcher vor allem von den älteren DDR-Bürgern empfangen.
In den folgenden Monaten (1990/1991) mischte sich Biermann mit Aufsätzen und Reden in die Tagespolitik ein und beteiligt sich unter anderem an der Besetzung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit, als Schiedsrichter im Literaturstreit und Befürworter der US-Intervention am Golf.
Eine aufsehenerregende Diskussion über den Einfluss der Stasi auf die Intellektuellen in der DDR, löste er im Oktober 1991 mit seiner Dankesrede zur Verleihung des Büchner-Preises aus. Biermann attackiert die Oppositionsgruppen der DDR sie seien "von Stasi-Metastasen zerfressen" und den Lyriker Sascha Anderson, der in der DDR als führender regimekritischer Literat galt, bezeichnete er als einen "Stasi-Spitzel". Nach der ersten Einsicht der eigenen Stasi-Akten in der Berliner Gauck-Behörde am 15. Januar 1992 erklärte Biermann seine öffentliche Auseinandersetzung mit der Stasi für beendet und verzichtete darauf, weitere Spitzel zu enttarnen.
Von 1993 bis 1995 war Biermann zwei Semester lang als Heinrich - Heine - Gastprofessor an der Düsseldorfer Universität. Im November 1994 griff Biermann öffentlich den PDS-Politiker Gregor Gysi und den für die PDS am 16. Oktober 1994 in den Bundestag gewählten Schriftsteller Stefan Heym an. Ein weiterer Skandal kam im Dezember 1994 ins rollen, als der österreichische Bildhauer Hrdlicka im "Neuen Deutschland" seinen Brief an den Schriftsteller und Sänger Biermann veröffentlichte, in dem er ihn wegen seiner Kritik an den PDS-Politikern als "Arschkriecher" und "Trottel" bezeichnete.
Gute Kritiken erhielt Biermann 1994 vom Feuilleton für seine auf Tourneen vorgestellte Interpretation des "Grossen Gesangs vom ausgerotteten jüdischen Volk" von Jizchak Katzenelson.
Auf Vorschlag von Rolf Hochhuth war Biermann im Januar 1996 als Nachfolger des verstorbenen Dramatikers und Theaterleiters Heiner Mueller am "Berliner Ensemble" im Gespräch. Im Juni 1996 zählte Biermann zu den Mitbegründern des "Bürgerbüro- e. V.", das jenen helfen will, die durch Willkürakte der DDR fortdauernd geschädigt sind. Im September 1996 veröffentlichte Biermann die CD "Süßes Leben - saures Leben" mit siebzehn neuen Liedern.
1998 wurde Wolf Biermann der Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung verliehen.
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