NUTS: August 2005  
















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SATIRE: ES GEHT MIR VON TAG ZU TAG BESSER ljuba: 2005-07-11

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Gestern war ich auf einer Psychologenparty.


Die Meisten dort waren Psychologen. Allerdings hatten viele, um mit ihnen anzugeben, Patienten von sich mitgebracht. Ich war auch von meiner Therapeutin mitgebracht worden. Sie behandelt mich seit mehr als einem Jahr wegen meiner Kaufhallenphobie.
Irgendwann wäre ich nämlich beinahe verhungert, weil ich mich nicht in die Kaufhalle traute, um Essen und Trinken zu besorgen, und erfroren, weil ich mich nicht ins Warenhaus traute, um Anziehsachen und Schuhe zu kaufen. Wenn ich mich doch mal überwand, bekam ich meist einen Tobsuchtanfall, einen Nervenzusammenbruch oder wenigstens Hautausschlag.
Am Anfang machte meine Therapeutin ganz einfache Übungen mit mir.
Wir liefen an Einkaufszentren vorbei. Erst mal auf der anderen Straßenseite, dann auf der selben. Irgendwann konnte ich einen Supermarkt anfassen, ihn streicheln und beruhigend auf ihn einreden. Als nächstes betrat ich in Begleitung meiner Therapeutin einen Supermarkt und hielt mich darin auf, so lange es ging. Schließlich kaufte ich auch was. Butter, Saft, Damenbinden, Kartoffeln, alles, was meine Therapeutin so brauchte. Mittlerweile schickt sie mich auch ganz allein los, wenn es Sonderangebote gibt. Sie sagt, ich mache gute Fortschritte, aber wir werden die Behandlung noch eine ganze Weile fortsetzen müssen.

Vorgestern hat sie dann unter Mitwirkung eines Kollegen getestet, wie weit meine Genesung schon gediehen ist. Zuerst schickten mich die Beiden Getränke kaufen. Ich musste mehrmals gehen, so viele Bierkisten sollte ich holen. Dann besorgte ich Salzstangen und Brezeln, Erdnüsse und Pistazien. Schließlich musste ich noch zum Bäcker und zum Weinhändler. Am Schluss war ich ganz außer Puste, aber meine Therapeutin war stolz auf mich und meinte, wenn wir so weiter machen, bin ich vielleicht in ein oder zwei Jahren geheilt. Und dann sagte sie noch, dass sie sich schon richtig an mich gewöhnt hat, und da freute ich mich auch sehr. Na, und dann haben sie und ihr Kollege mich auf diese Party gestern eingeladen. Die Geburtstagsparty von dem Kollegen, wo ich auch das ganze Zeit hingeschleppt hatte.

Ich war auf dieser Party, wie schon gesagt, nicht der einzige Patient. Meine Therapeutin stellte mich einigen Kollegen vor, als schwierigen, aber hoffnungsvollen Fall. Sie bat Ältere und Erfahrenere um Rat, und die versprachen, sich Zeit für mich zu nehmen; Einer stellte sofort einen umfangreichen Einkaufszettel zusammen und vertraute mir sogar seine EC-Karte an.
Ich schlenderte zwischen den Partygästen umher. Es gab jede Menge zu essen und zu trinken. Wegen der Kleptomanen war aber nur mit Pappgeschier und Plastik gedeckt worden. Eine penibel gekleidete Frau verstrickte mich in ein Gespräch, unterbrach es aber immer wieder, um Glasränder von den Tischen zu wischen, Aschenbecher zu leeren oder gebrauchte Gläser in die Spülmaschine zu räumen. Sie war eine Patientin des Gastgebers, litt unter Putzzwang, und alle seine Kollegen beneideten ihn um diesen interessanten Fall. Jeder bot ihm an, die Patientin mal zur Beobachnung vorbeizuschicken, als Freundschaftsdienst sozusagen.

Auf dem Balkon traffen sich die Raucher, auf dem Klo die Bulimikerinnen, und wir alle amüsierten uns blendend. Der Gastgeber hatte einen DJ engagiert und einen Rapper mit Tourette-Syndrom. Es wurde viel getanzt, und wer müde war, ließ sich von ein paar Fetischisten die Füße massieren.
Kurz vor Mitternacht wurde eine große Torte hereingeschoben. Alle zählten die Sekunden bis null Uhr rückwärts, und dann sprang ein nackter Mann aus der Torte und tanzte auf dem Tisch. Es war ebenfals ein Patient, ein Exhibitionist und der offizielle Star des Abends.
Es gab noch einen heimlichen Star des Abends, sie war nymphoman veranlagt; Wir musste erst ihren Therapeuten betrunken machen. Der hätte sie sonst nicht aus den Augen gelassen, dieser Egoist.
Ich blieb bis zum Schluss und ging erst als die Patientin des Gastgebers began, sauber zu machen.
Morgen beginnen wir mit einer neuen Phase meiner Therapie. Es geht jetzt darum, leere Flaschen abzugeben. Meine Therapeutin macht eben keine halben Sachen.


von Spider geklaut.


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