JAM: Dezember 2005  
















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REPORTAGE: MACHT DAS FENSTER AUF mohan: 2005-11-27

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Jubelnde Fanmassen vor dem benachbarten Europahotel in Ludwigshafen machten mich neugierig. Welche Band war denn dort abgestigen? Die vielen pubetierenden Teenies ließen auf eine dieser Boybands schließen. Und so war es dann auch.


Es war Donnerstag nachmittag so gegen 16:30 Uhr. Auf einmal hörte ich ein lautes Stimmengewirr, das vom Ludwigsplatz her kam. Also schnell mal zum Fenster hinaus geschaut, was denn da los ist. Draußen standen zahlreiche Mädchen und einige Jungen und schauten in Richtung Europahotel. Dabei skandierten sie einige Namen, die ich zunächst jedoch nicht verstand. Wer sollte denn da in dem Europahotel abgestiegen sein? Es konnte sich eigentlich nur um eine dieser Boybands handeln.

Nach und nach kamen meine Kollegen und ich darauf, um wen es sich handelte. Es war die Boyband US5. Sie ist das neuste Projekt aus dem Hause Lou Pearlman, der in der Vergangenheit schon erfolgreich Gruppen wie Backstreet Boys, N'Sync, O-Town und Natural zusammenstellte und vermarktete.

Für mich war es das erste Mal, dass ich pubertierende Fans so außer Rand und Band ihre Stars anhimmeln sah. Da ich auch als Teenager nie irgendwelche von der Industrie vermarktete oder vorgesetzte Musikstars gehört hatte, war ich in diesem Bereich bisher unerfahren. Nun das war jetzt anders. Es war interessant zuzusehen, wie die Fans da so auf dem Ludwigsplatz standen und in Richtung Hotel schauten. "Richie, Richie" oder "Chris, Chris" konnte ich als Namen heraushören, auch der Name der Band wurde skandiert "We want US5, we want US5." Hin und wieder liefen sie über die Straße. Vielleicht hofften sie, einen Blick auf die Jungs von US5 werfen zu können, sollten diese sich zufällig im Restaurant im Erdgeschoß aufhalten.

Zwischendurch kam die Polizei und sorgte dafür, dass die Straße für den Verkehr frei blieb. Ich denke, so mancher unbedarfte Autofahrer wird sich ebenso wie wir über die Versammlung gewundert haben. Ich stelle mir da besonders den Geschäftsmann vor, der just an diesem Nachmittag im Hotel einchecken wollte. Oder die anderen Gäste im Hotel. Was mögen sie wohl gedacht haben, als sie die kreischende Fanschar vor dem Hotel aufziehen sahen?

Einige Fans wollten unbedingt ins Hotel reinkommen und dachten, probieren wir es doch einmal durch den Hintereingang. Da ihre Ortskenntnisse wohl nicht die besten waren, erschienen einige im Innenhof des IHK-Gebäudes, manche gingen sogar in das Gebäude hinein, wie mir Kollegen mitteilten. Also nichts gegen anhängliche Fans, aber haben auch Stars nicht Anspruch auf ein wenig Ruhe vor den Fans? Müssen denn Fans ihren Stars wirklich überall hin folgen. Etwas Privatleben sollte doch jedem zustehen.

Vor dem Hotel standen die Menschen und verlangten noch immer nach ihren Stars. Irgendwann schienen die Jungs wohl ans Fenster von ihrem Zimmer gegangen zu sein, was geschickterweise zum Ludwigsplatz hin lag. Ob sie es auch öffneten, bekam ich nicht mit. Jedenfalls waren die Teenies ganz aus dem Häuschen. Als sie ihre Stars am Fenster sahen jubelten sie nochmals ordentlich. Die Fans ließen nicht locker und harrten hartnäckig vor dem Hotel aus. Wie lange sie das Hotel belagerten, weiss ich nicht. So lange war ich nicht im Büro.


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