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AUSGABE: Oktober 2000


Rubrik: STUFF

REPORTAGE: JOBS AUCH FÜR VERMEINDLICH FAULE?

Alexander hat keine Lust, sich eine Lehrstelle zu suchen: In der Hauptschule lief einiges schief, das Abgangszeugnis weist miserable Noten auf und er weiß eigentlich auch nicht so recht, wie er sich sein Berufsleben vorstellt. Da muss man früh aus den Federn, womöglich die Werkstatt auskehren und feste Regeln einhalten... ABSTELLGLEIS? KRIMINALITÄT? Es könnte auch anders gehen...


Quelle: Speyerer Tagespost

Alexander hat keine Lust, sich eine Lehrstelle zu suchen: In der Hauptschule lief einiges schief, das Abgangszeugnis weist miserable Noten auf und er weiß eigentlich auch nicht so recht, wie er sich sein Berufsleben vorstellt. Da muss man früh aus den Federn, womöglich die Werkstatt auskehren und feste Regeln einhalten-eine für ihn höchst unangenehme Vorstellung. Außerdem rechnet der 16-Jährige gar nicht damit, dass ihn überhaupt irgend eine Firma einstellt. Die Gefahr ist groß, dass er sich auf Dauer ins Heer der jugendlichen Arbeitslosen einreicht. Die Initiative für Beschäftigung will solchen Männern und Frauen eine Chance geben, trotz schlechter Voraussetzungen einen Job zu finden.

"Jugendliche in das Berufsleben führen" lautete der Titel einer bundesweiten Fachveranstaltung im BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen, an der rund 100 Experten regionaler Netzwerke der Beschäftigungsinitiative teilnahmen. Diese Organisation, die 1998 unter anderem von BASF-Chef Dr. Jürgen Strube gegründet wurde, kümmert um sich in 15 aktiven regionalen Netzwerken um die Schaffung neuer Stellen. In 63 Arbeitskreisen in ganz Deutschland befassen sich Vertreter der Wirtschaft mit rund 200 Projekten, von denen einige gestern in Ludwigshafen vorgestellt wurden. Dr. Hans Joachim Bremme, Projektleiter des Netzwerks Rhein-Neckar-Dreieck, nannte mehrere Beispiele, die zum Teil auch schon in unserer Region praktiziert werden: So ermöglichen einige Unternehmen Schulabgängern einjährige Betrriebspraktika.In dieser Zeit können Arbeitgeber und -nehmer gleichmaßen testen, ob sie zu einander passen. Bei 80 Prozent der Praktikanten führt dieses Probejahr laut Bremme zu einem Ausbildungsplatz oder einer festen Stelle. Als weiterer Schritt könnten "persönliche Mentonen" aus dem jeweiligen Betrieb den Berufsanfängern dabei helfen, nicht vorschnell das Handtuch zu werfen, zum Beispiel bei Konflikten mit Vorgesetzten oder der Familie.

Sinnvoll ist Ansicht des Netzwerks auch ein direkter Kontakt mit den Schulen: So gibt es an einer Stuttgarter Hauptschule einen "Pavillon der Wirtschaft", in dem sich regelmäßig regionale Betriebe vorstellen und über ihre Ausbildungsplätze informieren. In Rhein-Necker-Dreieck sollen demnächst Azubis aus dem 2. und 3. Lehrjahr in ihren ehemaligen Schulen über ihre Erfahrungen mit der Arbeitswelt berichten. Damit soll erreicht werden, dass sich die Acht-und Neuntklässler früher als bisher mit dem Berufsalltag vertraut machen und nicht erst vor den Türen des Arbeitsamts über ihre Job-Wünsche nachdenken.



Autor: Valik
Erstellt am: 2000-09-29