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AUSGABE: Februar 2001


Rubrik: JAM

REPORTAGE: DIVEN- IRDISCHE GÖTTINEN

Romy Schneider, Marylin Monroe, Zarah Leander, Vivian Leigh, Edith Piaf, Elizabeth Taylor, um nur wenige zu nennen, gehören zu den letzten Diven dieses Jahrhunderts. Ihr Leben zwischen Leid und Leidenschaft, zwischen Exzess und Depression hat sie unsterblich gemacht...


Diven- die irdischen Göttinnen

Romy Schneider, Marylin Monroe, Zarah Leander, Vivian Leigh, Edith Piaf, Elizabeth Taylor, um nur wenige zu nennen, gehören zu den letzten Diven dieses Jahrhunderts. Ihr Leben zwischen Leid und Leidenschaft, zwischen Exzess und Depression hat sie unsterblich gemacht...

Nicht mehr viel los, auf dem Olymp. Die griechischen Götter sind nur noch in verstaubten Büchern lebendig, die berühmten Diven sind alt, oder tot und es gibt keine würdigen Nachfolger. Eine traurige Bilanz, da die Menschen doch schon immer irgendwelche Halbgötter zum anbeten brauchten. Ganz ehrlich, was zur Zeit an weiblichen Stars durch die Welt zieht mag bemerkenswert und durchaus erfolgreich sein, aber ob die Damen nun Britney Spears, Julia Roberts, Madonna, Kim Basinger oder Whitney Houston heißen, sie haben wenig Klasse. Sicher, sie sind berühmt, aber sie sind nicht echt. Ihre "Skandale" wirken bewußt produziert, ihre Affären inszeniert und dass sie für eine Sache wirklich sterben würden, glauben sie wahrscheinlich nicht mal selbst. Wir mögen sie, wir lieben sie, aber wir werden sie vergessen.

Was ist also der Unterschied zu den Frauen, die wir nicht vergessen haben? Was hat sie unsterblich gemacht? Ihre Schönheit, ihr Lächeln, ihr Charme oder ihr Intellekt? Weder noch. Es war ihr Feuer! Ein Feuer, dass Flächenbrände auslösen konnte und an dem sie sich meistens selbst verbrannt haben.

Die Lebensläufe der Diven gleichen sich nicht unbedingt, aber sie weißen Ähnlichkeiten auf. Drogen, Schlaftabletten, Upers, Downers, Alkohol, Verschwendungssucht, Depressionen, Affären, gescheiterte Ehen en masse, Abtreibungen und Selbstmordversuche, Erfolge und absolute Tiefpunkte sind die erschreckende Bilanz. Sie waren nicht alle schön, die großen Stars, aber jede für sich hatte ein bestimmtes Flair, dem sich niemand entziehen konnte. Sie wurden vom Publikum geliebt und gehasst, und genauso schwankten sie selbst zwischen Größenwahn und Selbstzerstörung. Ihr Blick für die Realität war von Drogen benebelt und fast Keine war im Stande ein halbwegs normales Leben zu führen. Göttinen, im wahrsten Sinne abgehoben. Sie waren, vorallem nach den konservativen Vorstellungen, nicht von dieser Welt. Viele Frauen werden sie um ihre Freiheit und ihr für damalige Verhältnisse "emanzipiertes" Verhalten beneidet haben und gleichzeitig fühlte man sich im Vergleich immer unheimlich "normal". Was für schreckliche Zicken sie doch waren, durchgedrehte, hysterische Weiber, die im Vollsuff kreischend mit Porzellan schmißen, die sich lächerlich machten, wo immer es möglich war, aber damals wie heute war ihre Anziehungskraft stärker als alles andere.

Ich glaube, dass es im Endeffekt nur zwei Punkte gibt, die diesen Frauen die Unsterblichkeit ermöglichten. Erstens: trotz all ihren Exzessen und Aussetzern waren sie menschlich. Jeder Sucht geht eine Sehnsucht voran und sehnsüchtig waren sie alle. Nach Liebe, nach Zuwendung, nach Wärme. Je schlimmer ihr Zusammenbruch war, je stärker haben die Menschen ihr Leid gespürt. Und gelitten haben sie heftig. Für ihren Erfolg haben sie teuer bezahlt. Deshalb denke ich, haben die Menschen sie auch nie vergessen. Sie waren begeistert vom "göttlichen" Leid, dem Mut und dem Streben trotzdem immer wieder nach oben zu kommen, dem immer extremeren Schlingerkurs zwischen ganz oben und ganz unten. Die Menschen haben ihren Göttinnen den Olyp immer wieder freigehalten und sich selbst damit erhöht, denn im Leid waren sie wie wir, oder noch bedauernswerter. Und der zweite Grund war der Extremismus, die Leidenschaft, mit der die Diven ihre Ziele verfolgten. Sie wollten nach oben und sie haben es geschafft. Egal wie lange sie gebraucht haben, egal wie teuer sie bezahlt haben. Sie standen hinter allem was sie taten, dem Guten wie dem Schlechten, und waren in ihrer Doppelgesichtigkeit, ihrem Extremismus und ihrer Leidenschaft unberechenbar, unbezähmbar. Das Feuer das sie entbrannt haben, hat sich ausgebreitet und wer erst einmal in Flammen stand, war nicht mehr zu löschen. Bis heute.

Autor: Nadja
Erstellt am: 2001-01-31