!MARCS young electronic magazine
AUSGABE: Mai 2002


Rubrik: JAM

REPORTAGE: Auswärtsspiel - Die Toten Hosen live

Gemäß ihrem Motto "Wir werden immer laut durchs Leben ziehen" spielten die Toten Hosen wieder live in Karlsruhe auf. Geboten wurde das volle Programm, neues und alte Klassiker und wie immer laut, ja so muss Punk halt klingen.


Normalerweise gehe ich nicht zu Auswärtsspielen, da mich Fußball nicht interessiert. Aber im Falle der Toten Hosen weiche ich mal von der Regel ab, denn hier wurde mir kein Fußball geboten, sondern der gute alte düsseldorfer Krach, den ich so liebe. Und den spielen die Jungs nun schon seit zwanzig Jahren. Da lege ich doch mal wieder meine alten Hosen Singles von 1982/83 auf und schreibe mit diesem Soundtrack den vorliegenden Konzertbericht.

Das Konzert fand am 21.4. in der Europahalle in Karlsruhe statt und zog mal wieder Massen von Menschen an, deren fahrbare Untersätze alle einen Parkplatz wollten. Damit fing also das Abenteuer an. Ich reihte mich geduldig in die Schlange ein, die sich im Schritttempo in Richtung Parkhaus qäulte. Doch alles hat einmal ein Ende und ich konnte meinen Käfer in einem dafür vorgesehenen Platz abstellen.

Dann gings ab in Richtung Halle, war schon richtig was los. Interesssant wie viele und vor allem welche Leute so zu Hosenkonzerten kommen. Da waren viele punkig gestylte Kids, Prolltypen, die wohl auf die Sauflieder der Hosen abfahren, linke Gestalten, einige Punks und so Normalos halt. Auch das Alter reichte wohl von 15-40, die alten Fans sind mit der Band älter geworden und es kommen immer neue nach. Apropos Punk, da höre ich schon wieder irgendwelche Puristen schreien, die Hosen sind doch kein Punk, das sind irgendwelche Rockstars. Für mich sind sie immer noch Punks, sie ziehen ihr Ding durch und machen was sie wollen. Und letzteres war mal ein Motto der Punkbewegung, do anything you wanna do.

Zurück zum Konzert, als Vorband hatten die Hosen die Engländer A engagiert, keine schlechte Wahl. Sie spielten eine energiegeladene Mischung aus Punk, Hip Hop und Indie, hat mir richtig gut gefallen. Bei den Toten Hosen sind Vorgruppen eben keine schlechten Lückenfüller, sondern sie geben guten, unbekannten Gruppen die Chance vor einem größeren Publikum zu spielen. Nach einer Umbaupause ging das Licht wieder aus und die Toten Hosen stiegen mit "Auswärtspiel" ein gefolgt von "Liebesspieler". Damit war die Marschrichtung vorgegeben, es gab viele neue Stücke gepaart mit zahlreichen Klassikern, die bei einem Hosenkonzert einfach nicht fehlen dürfen.

Im Gegensatz zu früher waren zahlreiche ruhigere Stücke dabei, z.B. "Nur zu Besuch", "Was zählt". Die haben sich aber sehr gut in das Konzert eingepasst und wirkten nicht wie Schlaftabletten oder Fehlbesetzungen. Auch englische Lieder haben mittlerweile einen festen Platz im Programm (z.B. "Call of the wild", "Pushed again"). Um viel Platz für ihre Musik zu lassen, gab es kaum Ansagen, sondern fast schon wie bei den Ramones Musik nonstop. Klar ein Lied wie "1000 gute Gründe" braucht schon eine Ansage. Natürlich waren ihre zahlreichen Singlehits auch vertreten, aber die Hosen spielen sie nicht im Zugabenteil, sondern während des Konzerts.

Das reguläre Konzert hörte traditionell mit "Schönen Gruß auf Wiedersehn" auf, anschließend spielten die Jungs drei Zugaben für das restlos begeisterte Publikum mit altbekannten Klassikern, einem neuen Lied und ihrem selbstironischen Lied "Alte Punks" gefolgt vom Oldie "Opelgang". Alles in allem ein gelungener Abend, die Toten Hosen sind und bleiben halt eine Liveband. Auf Platte klingt die Musik eben nur halb so gut. Aber Punk ist halt Livemusik, laut, direkt und kompromisslos. Nein jetzt fange ich nicht nochmal an, ob die Hosen Punk sind oder nicht.

Nach dem Konzert ging ich wieder zurück zum Parkhaus und erlebte eine logistische Fehlplanung. Da wollen mehrere tausend Besucher nach dem Konzert nach Hause und das passierte ja nicht unerwartet, aber im Parkhaus versahen nur drei (!) Kassenautomaten ihren Dienst, von denen einer sogar noch ausfiel. Das führte natürlich zu langen Schlangen, auch vor der Ausfahrt staute sich eine Autoschlange. Naja da brauche ich halt Geduld, wenn ich nach so einem Konzert nach Hause will. Entweder ich stehe im Parkhaus oder ich warte noch in der Halle, wobei letztere doch sicherlich die angenehmere Variante sein dürfte.

So, komme ich langsam mal zum Schluss, sonst liest sich das ja keiner mehr durch. Fazit des Abends, wie immer gelungen. Die Toten Hosen sind halt einfach gut und da dürfen sie auch ruhig mal ein paar Platten mehr verkaufen. Ist doch gut, wenn sich dei Kids bei dem vielen Chartsmüll auch mal "richtige" Musik kaufen. Wenn sie das nächste mal in der Gegend spielen, bin ich wieder dabei. Sicher.

Autor: mohan
Erstellt am: 2002-04-23