!MARCS young electronic magazine
AUSGABE: Juni 2004


Rubrik: JAM

REPORTAGE: Troja - Ein Mythos kehrt wieder

Ein neues Kinoepos lässt die antiken Helden des Homer in Gestalt von Holywood-Sternchen wie Brad Pitt wieder aufleben. Dabei ist nicht einmal gesichert, ob der Trojanische Krieg und sein hölzernes Pferd nicht nur eine packende Dichtung eines blinden Poeten war.


Es bedurfte eines genialen Einfalls des schlauen Odysseus, um die von Mythen umwobene Stadt Troja einzunehmen. Einst kam dem Abenteurer und in der "Odyssee" umherirrenden Seefahrer die Idee, ein Holzpferd gigantischen Ausmaßes mit Soldaten zu befüllen und den Trojanern als Geschenk zu überreichen. Diese fielen prompt auf die Flinte herein, beherbergten das Trojanische Pferd innerhalb ihrer gewaltigen Stadtmauern, die wohl mit Muskel- und Waffenkraft in der damaligen Zeit kaum einzunehmen waren, und ermöglichten so den verborgenen Griechen, Troja in Brand zu legen und seine Einwohner in die Flucht zu schlagen.

So jedenfalls soll es sich laut Homers "Ilias", dem umfassendsten Werk der Antike - niedergeschrieben von einem blinden Dichter - abgespielt haben. Auch das neue Kinoepos "Troja" nimmt Homers Verse als Drehbuchvorlage. Dabei ist gar nicht gesichert, ob sich das 51 Tage beinhaltende Epos und der zehnjährige Trojanische Krieg überhaupt so zugetragen haben oder eher dem Kopf eines Poeten entsprungen sind.

Historisch fest steht nur, dass es eine Stadt namens Troja, die um 1200 v. Chr. angegriffen und vernichtet worden ist, gegeben hat. Diese in der Westtürkei bei der Meerenge der Dardanellen gelegene Vasallenstadt der Hethiter - einer der beherrschenden Seemächte in der Antike - soll laut archäologischen Ausgrabungen eine Fläche von 280.000 m² eingenommen haben. "In weitem Umkreis", meint Prof. Manfred Korfmann, "ist bislang kein vergleichbares Macht- und Wirtschaftszentrum bekannt geworden." Gemeinsam mit seinen Studenten und anderen Forschern hat der Tübinger Professor bei einem Hügel namens Hisarlik über 40 Siedlungshorizonte ausmachen können.

Da viele Schiffe aus dem Nahen Osten und Ägypten - beladen mit kostbaren Stoffen und Gerätschaften aus Bronze, Silber und Gold - durch die Besik-Bucht mussten, konnte das angrenzende Troja nicht nur vorteilhaften Handel treiben, sondern auch Durchfahrtsgeld verlangen.

Nach der Zerstörung der gewaltigen Stadt um 1200 v. Chr. wurde Troja kurzzeitig eine römische Siedlung - heute ist nur ein leeres Feld und der Hügel von Hisarlik übrig. Dennoch: Ob Krieg und Schauplatz nicht nur lediglich der dramaturgische Hintergrund und die Kulisse für das Handeln der Götter und Helden für das Epos von Homer waren, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.

Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de

Autor: kirschi
Erstellt am: 2004-05-20