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LESERBRIEF: PROTEST (AUSGABE 02-2000) |
zeitzeuge: 2000-02-23 |
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Meine Stellungnahme zur politischen Situation in Oesterreich ist teilweise beeinflusst durch meine Vergangenheit: Ich sah mit Unglauben, dass die national-sozialistische Partei unter Hitler an die Macht kam und habe mit meiner Familie die Folgen davon in verschiedenen Konzentrationslagern getragen. Wir haben die Lager ueberlebt, aber...
Feedback zu #02-2000
Meine Stellungnahme zur politischen Situation in Oesterreich ist teilweise
beeinflusst durch meine Vergangenheit: Ich sah mit Unglauben, dass die national-sozialistische
Partei unter Hitler an die Macht kam und habe mit meiner Familie die
Folgen davon in verschiedenen Konzentrationslagern getragen. Wir haben die Lager ueberlebt, aber ich bin alert,
wo sich eine neonazistische Bewegung entwickelt.
In Oesterreich aeusserte sich der Unfrieden ueber 30 Jahre Politik mit grenzenlosem Nepotismus durch
das bekannte Wahlergebnis. Dass es moeglich war, dass eine
rechtsorientierte Partei bereit war, eine Koalition mit der neonazistischen, rassistischen Partei
von Haider einzugehen, beunruhigt mich ausserordentlich. In einigen Laendern
Europas bestehen ultrarechtsorientierte Parteien, aber bis jetzt hat sich jede andere
Partei geweigert, eine Koalition mit der ultrarechten Partei einzugehen. Ich fuerchte, dass Oesterreichs
Beispiel in anderen Laendern Schule machen kann und
auf die Dauer mehr Laender von
rassistischen Regierungen geleitet werden. Diesem aber muss ein Halt zugerufen werden. Dafuer
dienen Demonstrationen, um den Parteien zu zeigen, dass durch ein
zweites Hitlerregime die Welt dem Abgrund entgegengeht.
85 jährige Überlebende des Holocaust. Zeitzeugenbericht mit freundlicher Unterstützung des Seniorenbüros der Stadt Speyer
NACHTRAG:
Letzte Woche fand in Wien der
berühmte Opernball statt,
ein Ereignis, dass man (wer in der
Politik und auch in der High Society mitzählen
will) mitmachen muss. Allerdings
hat der Ehrengast, der Ministerpräsident
Spaniens abgesagt, wie auch Claudia
Cardinale und noch
mehr Grössen der Welt.
Warum?
Keine Frage! Die uralte Regierung der FPO von
Jörg Haider veranlasste sie, abzusagen.
"Aber Haider ist doch abgetreten als Parteivorsitzender"
sagen eventuell die Gutgläubigen.
Ich hoffe, dass jedoch niemand so naiv ist, zu
glauben, dass sich die Politik der
Partei, die noch in der Regierung ist, verändert.
Es dürfte doch genügsam bekannt
sein, dass die Vertraute Haiders,
Frau Susanne Riess-Passer jetzt
die Parteivorsitzende ist und
sie wird seinen Directiven folgen.
Warum hat Haider aber die Rolle
des Vorsitzenden aufgegeben?
Doch nicht wegen der enormen eindruckweckenden
Demonstrationen oder wegen
der Haltung der E.U. Staaten?
Herr Schüssel mag dann sagen, dass Herr Haiders
Gründe sind: 1. sein Wunsch, um genug
Zeit zu haben für seine Präsidentenschaft in Kärnten und
2. die österreichische
Regierung stabilisieren zu lassen.
Ich denke, dass Herr Haider viel
klüger ist: via Frau
Riess-Passer hält er die
Zügel in der Hand. Sie wird genau
dem Rat oder dem "Befehl"
ihres "Meisters" folgen und er kann sich
ohne direkte Verantwortlichkeit
für die Regierung ruhig
auf sein grosses Ziel, Bundeskanzler
zu werden, vorbereiten.
Hoffentlich denkt nun niemand, die
grosse Gefahr ist vorbei und
bleibt mit mir pessimistisch und
alert auf die weiteren Entwicklungen.
Wir haben Grund genug, um dies zu sein...
85 jährige Überlebende des Holocaust. Zeitzeugenbericht mit freundlicher Unterstützung des Seniorenbüros der Stadt Speyer
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